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Sie empfangen uns in einer kleinen Lehmhütte  am Rande von Nshamba. Gegen die Kälte haben sie ihre bunten Tücher eng um den Leib geschlungen, ernst blicken sie ihre Gäste an. Serapia (76), Azrelia (60) und Thereza (76) wollen uns von der Nacht berichten, wegen der sie noch heute Albträume plagen. Kurz nacheinander wurden sie damals in ihren Hütten überfallen und misshandelt.

„Ich will nicht Dein Geld, ich will Dich!“ zischte der Mann, der kurz vor Mitternacht plötzlich neben ihrem Bett stand, erzählt Aurelia. „Er hat mich aufs Bett gedrückt und gewürgt. Dann versuchte er, mir das Kleid vom Leib zu reißen. Ich schrie laut, da kamen die Nachbarn und haben ihn vertrieben…“ Auch Thereza kam mit dem Schrecken davon: Sie konnte fliehen, bevor der Einbrecher sie zu fassen bekam.

Serapia hatte weniger Glück. Sie rollt die Ärmel ihrer Bluse nach oben, zeigt Blutergüsse und Schrammen. Der Mann hat sie brutal geschlagen und gewürgt. Dann ließ er sogar noch die Hose runter, griff ihr unters Kleid, schnitt ihr mit einem Messer die Schamhaare ab. Bevor er die alte Frau vergewaltigen konnte, brüllte zum Glück Serapia kleiner Enkel im Nebenraum wie am Spieß. Der Mann rannte aus der Hütte. „Hätte ich allein geschlafen“, glaubt Serapia, „wäre ich heute tot.“

Immer wieder erzählen alleinstehende alte Bäuerinnen im südlichen Afrika von solchen Überfällen. Wer allein lebt, ist ein leichtes Opfer, in den meisten Dörfern liegen die Hütten weit auseinander. Wie in Nshamba. Mal nutzen die Einbrecher einfach die Wehrlosigkeit der alten Frauen aus, stehlen Vorräte oder Vieh. Immer wieder werden die Frauen aber auch gezielt vergewaltigt, oder man versucht, ihnen die Schamhaare abzuschneiden, wie es Serapia erlebte. Der Grund dafür ist derselbe, aus dem in Tansania auch immer wieder Albinos verfolgt und verstümmelt werden: Wer eine alte Frau vergewaltigt oder ihr Schamhaar zum Dorfzauberer bringt, um daraus eine Medizin mischen zu lassen, erhofft sich dadurch Glück und Reichtum. In einem Land, in dem jeder Dritte unterhalb der Armutsgrenze lebt, ist das eine Aussicht, der viele nicht widerstehen können.

Je selbstbewusster die Frauen jedoch sind und je mehr sie in die Dorfgemeinschaft integriert sind, desto geringer ist das Risiko solcher Überfälle. Wenn sie sich trauen, Dorfchef und Nachbarn von den Übergriffen zu erzählen, werden neue Täter abgeschreckt, die alten möglicherweise gefasst. Renten, wie sie die Omas von Nshamba über Kwa Wazee seit einiger Zeit bekommen, können zu so einem Selbstbewusstsein beitragen: „Seit ich zu den Kwa Wazee-Omas gehöre und nicht mehr bei den Nachbarn betteln muss, respektieren mich die Leute wieder“, sagt Serapia. „Ich gehöre jetzt dazu.“

Nach dem Überfall nahm sie ihren Mut zusammen, ging mit Thereza und Aurelia zum Dorfchef, forderte von ihm Unterstützung. Der Mann trommelte auch tatsächlich sofort das Dorf zusammen und verurteilte die Angriffe vor allen. Gemeinsam mit der Divisionsbehörde versucht man nun, Strategien zu entwickeln, damit die Omas von Nshamba sicherer leben können.

Der Einbrecher wurde bis heute nicht gefasst.

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