Sozialrenten gegen Altersarmut
Alte Menschen gehören zu den Ärmsten der Armen. Weltweit haben 100 Millionen alter Menschen weniger als einen US-Dollar am Tag zum Überleben. 80 Prozent leben ohne jede soziale Absicherung. Nur wenige alte Menschen in den Entwicklungsländern erhalten eine Rente. Gleichzeitig können sich alte Menschen immer weniger auf die traditionelle Solidarität der Familie verlassen. Arbeitsmigration reißt Familien auseinander. In Afrika verlieren viele alte Menschen mit dem Tod ihrer Aids-kranken Kinder ihre Lebensgrundlage. Erfahrungen in der Vergangenheit zeigen: Soziale Grundrenten tragen dazu bei, die Not alter Menschen in ntwicklungsländern zu lindern. HelpAge unterstützt deshalb Projekte, die die Grundversorgung alter Menschen sichern.
Projekt Kwa Wazee, Tansania Auffangnetze für alte Menschen
In Afrika zerstört Aids die Familien. Alte Menschen pflegen nicht nur ihre sterbenden Kinder, verkaufen Land und Tiere, um die Behandlung und Beerdigung zu bezahlen. Anstatt von ihren Kindern versorgt zu werden, müssen sie sich im Alter auch noch um ihre Enkel kümmern. Mehr als die Hälfte der 12 Millionen Aids-Waisen in Afrika wachsen bei ihren Großeltern, meist den Großmüttern, auf. In Tansania haben eine Million Kinder ein Elternteil oder Vater und Mutter durch Aids verloren. 600.000 wachsen bei ihren Großmüttern auf. Eine Altersversorgung für die etwa zwei Millionen Tansanier über 60 Jahre gibt es nicht. In der Provinz Kagera unterstützt das von HelpAge geförderte Projekt Kwa Wazee („Für alte Menschen“) deshalb rund 850 alte Menschen und 550 nkelkinder. Weitere 300 Großmütter stehen auf der Warteliste. Jede Großmutter erhält etwa 5 Euro im Monat. Für jedes Enkelkind gibt es nochmals 2,50 Euro. Das ist bescheiden, dennoch ist die Wirkung groß. Mit der kleinen Monatsrente können die roßeltern-Familien Grundprodukte wie Öl und Reis kaufen. Das lindert nicht nur die wirtschaftliche Not. Kwa Wazee verbindet die Rentenzahlung mit Angeboten psycho-sozialer Betreuung. Dadurch wird das Selbstwertgefühl der oft am Rand der Dorfgemeinschaft lebenden Alten gestärkt. Und das wiederum kommt den mit ihnen lebenden Kindern zugute.
Aurelia Mlabi, Tansania
„Für allein erziehende Großmütter ist Kwa Wazee wichtig.“
Ich heiße Aurelia und bin „allein erziehende Großmutter“ von drei Enkeln. Vor fünf Jahren starb meine Tochter an Aids, seitdem wohnen die Kinder bei mir. Zum Glück unterstützt mich Kwa Wazee! Ich bekomme jeden Monat eine kleine Rente und Geld für die inder. Darüber bin ich froh! Wenn wir nur von unserem Land leben müssten, wären wir doch längst verhungert! Jetzt verkaufe ich manchmal sogar ein paar Bananen und Bohnen, und ich konnte mir zwei Ziegen kaufen. So haben wir regelmäßig Milch und etwas Dünger. Viele meiner Sorgen sind mit der Rente geringer geworden. Wir Großmütter treffen uns, sprechen über unsere Enkelkinder und helfen uns gegenseitig. Auch die Kinder treffen sich regelmäßig. In ihren Gruppen lernen sie, wie sie sich vor Aids schützen können und bekommen auch mehr Selbstvertrauen. Seitdem wir uns hier organisieren, ist vieles besser geworden. Und wenn ich einmal sterbe, will ich, dass meine Enkelkinder meine Hütte bekommen. Das habe ich jetzt alles geregelt, mit Unterstützung von Kwa Wazee. Als nächstes möchte ich, dass wir sicherer leben können, denn vor kurzem bin ich überfallen
Hannelore Hoger
„Das Treffen mit den stillen Heldinnen hat mich sehr bewegt.“ 
Seit ich 14 bin, stehe ich auf der Bühne und kann mir auch heute nicht vorstellen, damit aufzuhören. Ich habe Glück, denn ich arbeite, weil es mir Spaß macht. Das geht vielen Menschen in Entwicklungsländern nicht so. Deshalb bin ich Schirmherrin von HelpAge geworden. Vor zwei Jahren habe ich in Afrika ein Projekt von HelpAge besucht. Dort engagieren sich Freiwillige dafür, dass Großmütter, die für ihre Enkelkinder sorgen müssen, eine Grundsicherung erhalten. Anfangs bin ich aus Neugierde dort ingefahren. Dann habe ich Familien getroffen, bei denen die mittlere Generation komplett an Aids weggestorben ist. Und das Schlimmste: Über Aids wird in den Familien immer noch nicht gesprochen. Zum Glück gibt es endlich Menschen, die die Dinge beim Namen nennen und sich um die tapferen Großmütter, diese stillen Heldinnen, kümmern. Es hat mich sehr bewegt, als ich mit den Großmüttern zusammensaß: Die eine erzählte mir, dass sie ihre Söhne an Aids verloren hat und die andere, dass selbst ihre Enkelkinder infiziert sind. Das ist furchtbar, da müssen wir doch etwas tun!
Kampagne
„Jede Oma zählt“
Mit der Kampagne „Jede Oma zählt“ verfolgt HelpAge das Ziel, Großmütter aus dem südlichen Afrika in ihrem Kampf ge- gen HIV/Aids zu unterstützen. Für diese Großmütter, die oftmals als Alleinerziehende ihre verwaisten Enkelkinder versorgen, werden in Deutschland 5.000 Partnerschaften und UnterstützerInnen gesucht. Schirmherrin der Kampagne ist die Schauspielerin Hannelore Hoger. Unterstützt wird die Aktion von Soroptimist International Deutschland sowie zahlreichen Prominenten wie der Schauspielerin Nina Hoger und der Ex-Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul.
Weitere Informationen findest du unter: Grundsicherung für alte Menschen
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