Vom unsichtbaren Opfer zum Katastrophenhelfer

Mehr als 90 Prozent der weltweiten Katastrophenopfer stammen aus Entwicklungs- und Schwellenländern. Dabei sind alte Menschen besonders betroffen: Sie sind weniger mobil, körperlich schwächer und werden bei Hilfsmaßnahmen regelmäßig übersehen. Doch alte Menschen sind nicht nur Opfer von Katastrophen. Sie können mit ihren Erfahrungen zur Vorbeugung und zur Bewältigung von Katastrophen beitragen. In den Entscheidungen wird ihr traditionelles Wissen aber kaum berücksichtigt. Dabei engagieren sich alte Menschen bei Katastrophen ganz besonders. So kümmern sich z.B. zwei Drittel aller alten Frauen in den Flüchtlingslagern
von Darfur, Sudan, um mehrere Kinder. In seinen Nothilfe-Projekten setzt HelpAge Deutschland auf dieses Potenzial alter Menschen.

Projekt RIC, Bangladesch
Senioren organisieren Katastrophenvorsorge

HelpAge leistet weltweit Soforthilfe für Katastrophenopfer. Ein Bespiel ist Bangladesch: Im November 2007 zog der Zyklon „Sidr“ über Bangladesch hinweg und verursachte dramatische Überschwemmungen. Tausende Menschen starben, hunderttausende Häuser wurden zerstört. 90 Prozent der Ernte gingen verloren.

HelpAge konnte zusammen mit der lokalen Partnerorganisation RIC mehr als 4.000 Familien mit Nahrungsmitteln, Medikamenten und Kleidung versorgen. Bei den Hilfsmaßnahmen wurden 4.000 alte Menschen besonders unterstützt. Durch die Zusammenarbeit mit Seniorenbüros vor Ort wurden die Hilfsbedürftigen schnell erreicht.

Bangladesch gehört nicht nur zu den ärmsten Ländern der Welt, sondern auch zu den am stärksten vom Klimawandel betroffenen. Monsunregen, Hochwasser und Wirbelstürme führen regelmäßig zu Überflutungen. In der Katastrophenvorsorge spielen die Erfahrungen alter Menschen bislang keine Rolle. HelpAge Deutschland hat deshalb ein vom Auswärtigen Amt gefördertes Krisenpräventionsprogramm auf den Weg gebracht. Seniorenkomitees, deren Mitglieder im Katastrophenschutz ausgebildet werden, erstellen lokale Aktionspläne für Katastrophen. Diese Pläne berücksichtigen die speziellen Bedürfnisse alter Menschen. Das Programm erreicht rund 35.000 alte Menschen mit ihren Familien in 190 Dörfern.

Panewu Pujo Miyono, Indonesien
„Ich habe versprochen, den Vulkan zu beschützen.“

Man nennt mich Großvater Pujo und ich bin 76 Jahre alt. Mein ganzes Leben habe ich in Kinahrejo auf Java verbracht. Schon als Kind half ich meinem Onkel, den der Sultan zum Wächter des Merapi, des Feuerbergs, ernannt hatte. Nun bin ich selbst Wächter und habe versprochen, den Vulkan zu beschützen. Der Merapi ist ja als Vulkan geschaffen, das dürfen wir nicht vergessen. Ich habe gelernt, das Wetter und den Vulkan zu deuten. Auch beim letzten großen Vulkanausbruch hatten wir Vulkanwächter unsere Träume, die einen Ausbruch ankündigten.

Auch bei kleineren Dingen helfe ich. Ich gebe jungen Leuten, die den Merapi besteigen wollen, Tipps, wann sie aufsteigen und wann sie herunterkommen müssen. Und vor allem, wie sie sich dem „Großvater Merapi“ gegenüber verhalten müssen.

In jedem Dorf am Hang des Vulkans gibt es ältere Menschen, die seine Zeichen deuten können. Sie können die Wolken entschlüsseln und voraussagen, ob es Sturm geben wird. Noch sind es die Alten, die um Rat gefragt werden. Ich habe aber Angst, dass unser Wissen verschwinden wird. Deshalb ermutige ich die Älteren, ihr Wissen über den Berg an die Jüngeren weiterzugeben.

Gundula Gause
„Alte Menschen werden oft übersehen, wenn über Katastrophen berichtet wird.“

Seit 16 Jahren moderiere ich die Nachrichten im heutejournal. Regelmäßig müssen wir über Naturkatastrophen irgendwo auf der Welt berichten. Ich erinnere mich noch sehr genau an den 26. Dezember 2004 als die riesige Tsunami-Welle in vielen Ländern Asiens ihren schrecklichen Anfang nahm. An dem Abend war ich mit meinem Kollegen Claus Kleber im Studio und konnte und wollte den Bildern fast nicht glauben, die wir vom Beginn dieser Katastrophe zeigen mussten.

Wenn wir dann die Spendenaufrufe in unsere Berichterstattung integrieren, stehen meistens Kinder im Vordergrund. Von HelpAge habe ich erfahren, dass den Älteren bei Katastrophen tatsächlich oft zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird: Sie können sich zum Beispiel bei der Verteilung von Hilfsgütern gegenüber Jüngeren nicht so durchsetzen oder erhalten keine für ihre Erkrankungen notwendige Medikamente. Über ihr Schicksal wird wirklich selten berichtet. Unglaublich, dass sie dann noch die Energie aufbringen, sich in solchen Krisen um die Kleinsten zu kümmern! Ich möchte gerne dazu beitragen, diese Tatsachen bekannter zu machen.

Schnelle Reaktion dank Nothilfefonds

HelpAge Deutschland setzt sich vor Ort dafür ein, dass Regierungen und Hilfsorganisationen alte Menschen in ihre Hilfsmaßnahmen einbeziehen. Dazu gehört etwa die Verteilung von Hilfsgütern speziell an alte und schwache Menschen, aber auch die Beteiligung der Alten an der Katastrophenvorsorge, um ihre Kenntnisse und Erfahrungen zum Einsatz zu bringen. Katastrophen passieren oft über Nacht. Dann muss schnell reagiert werden. Ein Nothilfefonds soll es in Zukunft möglich machen, noch schneller und flexibler auf Katastrophen zu reagieren.

Werden Sie LebensretterIn!

Naturkatastrophen, Klimawandel und kriegerische Konflikte bringen Millionen Menschen in den Entwicklungsländern täglich um ihr Leben oder ihre ohnehin unsichere Zukunft. Besonders alte Menschen verlieren durch diese Katastrophen alles, wofür sie ein Leben lang schwer gearbeitet haben. Sie benötigen zunächst Lebensmittel, Medikamente und Trinkwasser. HelpAge unterstützt
sie auch dabei, nicht aufzugeben und ihren Lebensunterhalt wieder selbst zu bestreiten.

Genauso wichtig ist es, Katastrophen möglichst zu vermeiden. Denn vorbeugen ist besser als heilen. Alte Menschen wissen oft noch, wie man sich verhalten muss, wenn die Natur zur Bedrohung wird. Ihre Erfahrung kann helfen, großen Schaden abzuwenden. Mit unserem Nothilfefonds können wir Zukunft für Menschen schaffen, die durch Katastrophen alles verlieren und sich trotzdem nicht aufgeben.

Werden Sie LebensretterIn und beteiligen Sie sich an unserem Nothilfefonds. Denn der erleidet keinen Wertverlust. Durch Ihre Einlage werden wir in die Lage versetzt, bei Krisen und Katastrophen schnell zu helfen. Zusammen schaffen wir neue Werte – menschliche.

Kontaktieren Sie uns und reden Sie mit. Ihre Stimme und Ihre Hilfe wird dringend benötigt!

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